Wer heute von Bad Honnef nach Berck-sur-Mer reist, begegnet Freunden. Man besucht einander, macht gemeinsam Musik, fährt Fahrrad oder entdeckt die Kultur und den Alltag des Nachbarlandes. Was uns heute selbstverständlich erscheint, ist eine große historische Errungenschaft: Über Generationen waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich von Kriegen, Feindbildern und tiefem Misstrauen geprägt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Menschen auf beiden Seiten den Mut, aufeinander zuzugehen. Aussöhnung bedeutete dabei nicht, die Vergangenheit zu vergessen. Sie verlangte, Verantwortung anzuerkennen, Leid ernst zu nehmen und dennoch eine gemeinsame Zukunft zu ermöglichen.
Ein entscheidender Schritt war der Élysée-Vertrag, den Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle am 22. Januar 1963 unterzeichneten. Er gab der deutsch-französischen Zusammenarbeit einen dauerhaften Rahmen. Doch die Annäherung hatte längst auch zwischen Bürgerinnen und Bürgern begonnen: Schon 1950 begründeten Ludwigsburg und Montbéliard eine Städtepartnerschaft. Zum historischen Hintergrund beim Haus der Geschichte.
Politische Vereinbarungen schaffen wichtige Voraussetzungen. Vertrauen wächst jedoch durch persönliche Erfahrungen. Wer bei einer Familie zu Gast ist, gemeinsam ein Konzert vorbereitet oder auf einer Fahrradtour eine Panne bewältigt, lernt Menschen kennen – mit ihren Eigenheiten, ihrem Humor und ihren Geschichten. Das vermeintlich Fremde bekommt ein Gesicht.
Genau darin liegt die besondere Bedeutung von Städtepartnerschaften. Sie machen internationale Verständigung vor Ort erlebbar. Schulen, Vereine, Musikgruppen, Sportler und Familien tragen dazu bei. Aus einem ersten Besuch kann ein regelmäßiger Austausch werden, aus einer Bekanntschaft eine Freundschaft, die Jahrzehnte überdauert. Das Deutsch-Französische Jugendwerk bezeichnet Städte- und Regionalpartnerschaften deshalb als einen wichtigen Bestandteil der deutsch-französischen Freundschaft. Mehr dazu beim Deutsch-Französischen Jugendwerk.
Auch unsere Partnerschaft zwischen Bad Honnef und Berck-sur-Mer lebt von solchen Begegnungen. Die gemeinsamen Jubiläumsfeiern, der Schüleraustausch, die musikalischen Verbindungen und die Fahrradtouren zeigen, wie vielfältig diese Freundschaft geworden ist. Hinter jeder Veranstaltung stehen Menschen, die Zeit investieren, Gäste empfangen, organisieren und den Kontakt halten.

Die Urkunde verbindet das Gründungsjahr 1976 mit dem Jubiläumsjahr 2026. Sie erinnert an die Menschen, die diese Partnerschaft aufgebaut und über Jahrzehnte getragen haben. Zugleich richtet sie den Blick nach vorn: Freundschaft bleibt lebendig, wenn neue Menschen hinzukommen und die Begegnungen weitergestalten.
Für junge Menschen eröffnet eine Städtepartnerschaft eigene Möglichkeiten. Ein Austausch lässt sie erfahren, wie Gleichaltrige im Nachbarland leben und denken. Dabei geht es um mehr als Sprachkenntnisse: Es geht um Selbstvertrauen, Neugier und die Fähigkeit, andere Perspektiven zu verstehen. Junge Menschen sollten deshalb auch ihre eigenen Vorstellungen einbringen und Begegnungen mitgestalten können. Das DFJW empfiehlt ausdrücklich, sie an der Planung und Durchführung von Partnerschaftsprojekten zu beteiligen.
Für Bürgermeister Philipp Herzog, der ebenso wie Bundestagsabgeordneter Norbert Röttgen die Bedeutung der Städtepartnerschaft in seiner Rede unterstrich, ist klar:
„Wir müssen alle Schulen für den Austausch mit Berck sur Mer gewinnen. Die Freundschaft zwischen den Jugendlichen ist alles.“
Die deutsch-französische Aussöhnung erinnert uns daran, dass Feindschaft kein unveränderliches Schicksal ist. Verständigung braucht Geduld, Verlässlichkeit und die Bereitschaft zuzuhören – gerade dann, wenn Meinungen auseinandergehen.
Diese Aufgabe bleibt aktuell. Eine Städtepartnerschaft ist deshalb mehr als die Erinnerung an einen historischen Erfolg. Mit jeder neuen Begegnung gibt sie die Erfahrung weiter, dass Zusammenarbeit möglich ist und Freundschaft über Grenzen hinweg wachsen kann.
Dazu laden wir Sie ein: Lernen Sie unsere Partnerstadt und die Menschen in Berck-sur-Mer kennen. Bringen Sie Ihre Interessen und Ideen mit – ob für eine Reise, einen Austausch, ein gemeinsames Projekt oder ein erstes Gespräch. Unsere Freundschaft hat eine Geschichte. Wie sie weitergeht, gestalten wir gemeinsam.
Schreiben Sie uns – wir freuen uns auf Ihre Ideen.